Die neue EISZEIT hat begonnen! In der Zeughofstraße sind auf zwei Etagen im Vorderhaus neue Räumlichkeiten entstanden: Drei digital ausgestattete Kinosäle, ein Foyerbereich mit offener Bistroküche und eine separate Raucherbar. Das EISZEIT Kino führt hier die konsequent eigensinnige Programm-Tradition des alten Kinos im Hinterhaus fort und bietet viel Platz für Begegnung und Kommunikation. Es ist ein Ort für Filme, Austausch, Essen, Drinks und die Zigarette danach. Die Seele brennt (für die Zukunft des Kinos) und im Herz’n (wird immer) EISZEIT (bleiben)!

Der Umbau des EISZEIT Kinos war für uns die Gelegenheit, einen Kinoort nach unseren Wünschen zu gestalten. Das bedeutete, einen Ort zu schaffen, an dem man sich aufhalten mag, an dem Begegnungen und Gespräche stattfinden können, mit einem Programm, das Stellung bezieht. In den Multiplexen ist die gesamte architektonische Gestaltung zum Durchschleusen von Zuschauern konzipiert. Auch viele Arthousekinos sind zu sehr auf das Abspielen von Filmen und auf Festivalvermietungen ausgerichtet. Sie laden selten zum Verweilen ein. Wir glauben, dass das Kino in Zeiten von Netflix und Heimkinoequipment neue Wege gehen und alte Stärken wiederentdecken muss. Im neuen Eiszeit steht das Kino als kommunikativer Ort im Vordergrund. Das heißt: Lieber mehrere kleine volle, als einen großen leeren Kinosaal. Ein Foyer, das zum Bleiben einlädt. Eine Küche für kleine kulinarische Genüsse vor und nach dem Film. Eine richtige Bar. Und ein Programm mit Persönlichkeit. Unser Kino ist „Wohnzimmer der Filmkunst“ und „Kino-Küchenparty“: Wir laden zu uns ein und hoffen, dass unsere Gäste sich bei uns wohlfühlen und miteinander ins Gespräch kommen.


Saal 1 – Saal 2 – Saal 3


GESCHICHTE

Bereits seit 1985 befindet sich das Eiszeit Kino in der Kreuzberger Zeughofstraße 20. Bis zur Neueröffnung im Juni 2016 versteckte es sich im 1. Stock des 2. Hinterhauses, war Kennern aber stets als „das beliebte Programmkino mit den etwas anderen Filmen“ bekannt. Im Zuge der Haussanierung wurde das Kino ins Erdgeschoss und den Keller des Vorderhauses verlegt. Die schon länger leerstehende Ladenfront ist jetzt wiederbelebt. Ein gastronomisches Angebot mit Restaurant, Bar und Lounge erweitern das Filmangebot und machen das Kino zu einem Kulturtreffpunkt und Wohnzimmer der Filmkunst. Das Programmangebot in den drei neuen Sälen wurde vielfältig und innovativ gestaltet, ist dem Ruf der Offenheit und Vielfalt des alten Eiszeit aber durchaus treu geblieben:
1981 von der AG Dok (Dachverband der Dokumentarfilmer) als Hausbesetzerkino und Projektraum in der Blumenstraße 13 in Schöneberg gegründet, war das Eiszeit in seinen Anfängen offen für alle Arten von Filmen, Künstler, Performances, Theater, Konzerte, Diskussionen und Ausstellungen. Es war Treffpunkt und Plattform für künstlerischen Ausdruck und Gespräche darüber. Nach der Räumung der „Blume“ 1983 war das Eiszeit eineinhalb Jahre Gastkino im besetzten Haus der Waldemarstraße 42. 1985 zog es schließlich in die Zeughofstraße 20.
Bis in die 90er-Jahre hinein gab es dort einen einzigen Saal mit 16mm-Projektor. Monatlich fand ein Super 8-Abend statt, zu dem eigene Filme mitgebracht werden konnten und es gab weiterhin viele Arten von Kulturveranstaltungen. In dieser Zeit entstand der Film „Die Kinder der Konfettimaschine“, ein Film vom Eiszeit über’s Eiszeit im Eiszeit von und mit dem damaligen Betreiberkollektiv, Gästen und Künstlern.
Nach einem Umbau 1997 standen politische Dokumentarfilme, Underground-Filme, radikales Kino, Horror- und Splatterfilme in zwei Sälen mit zwei 35mm-Projektoren auf dem Programm. Zusätzlich fanden selbst kuratierte Festivals und viele Kooperationen mit Initiativen im Kiez statt.
2014 wurde das Gebäude von einem Münchner Investor gekauft, die Mietwohnungen im Vorderhaus sollten saniert, die Gewerbeflächen neu strukturiert werden. Mit Unterstützung des Bezirksamts Kreuzberg-Friedrichshain wurde eine Lösung gefunden, das Eiszeit im Gebäude zu erhalten.
Man betritt das neue Kino von der Straßenseite. Entweder über den ausgedehnten Foyerbereich, in dem es neben dem Kinotresen Sitzgelegenheiten und eine offene Bistroküche gibt. Oder, eine Tür weiter, über die Raucherbar, die mit dunklen Kacheln, warmen Rottönen und dunklen Holzpaneelen – aus einem Brandenburger Bauernhaus – gemütlich und genau richtig für lange Kreuzberger Nächte eingerichtet ist.
Im Erdgeschoss befindet sich auch Kino 1, mit rund 95 Plätzen der größte der drei Säle. Über Treppe oder Aufzug (das neue Eiszeit Kino ist barrierefrei) geht es ins Souterrain zu den Sälen 2 und 3. Alle Kinosäle sind mit aktueller digitaler Kinotechnik ausgestattet. Die Gestaltung des Foyers und der Säle setzt auf Sachlichkeit: unverputzte Wände, roher Estrich und offengelegte technische Lebensadern unterlaufen die gediegene Theaterrhetorik altmodischer und Retro-Filmhäuser. Seit der Wiedereröffnung nach dem Umbau wird hier „die Zukunft des Kinos“ zelebriert.


KRÄHEN

Die Krähe ist unser heimliches Wappentier und dient uns als Programmmetapher. Warum? Krähen sind herausragende Beobachter. Die Kulturgeschichte der Menschheit vollzieht sich unter der Beobachtung der Krähen. Dabei gibt es ein seltenes Phänomen: Krähen bleiben bis heute mysteriös ohne exotisch zu sein. Habt ihr die Krähenserie und Bildgeschichte an der Wand im Foyer schon entdeckt? Sie erzählt den Streit zweier Krähen um ein Hamburger-Papier am Alexanderplatz in neun Bildern.